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Ein silbernes JUVE-Award-Trophäe auf rotem Samt in der Alten Oper Frankfurt, umgeben von einem Kristallkelch und einem

JUVE Awards 2026: Ergebnisse, Hintergründe und Branchendiskussionen

Die JUVE Awards 2026 wurden in der Alten Oper Frankfurt ausgerichtet und gelten als die renommiertesten Branchenpreise des deutschen Wirtschaftsjuristen-Marktes. Die Verleihung zwischen 28. und 30. Oktober 2026 bündelte nicht nur die Anerkennung für herausragende Kanzleien und Inhouse-Teams, sondern spiegelte zentrale Markttrends wider – von Kanzlei-Konsolidierungen über komplexe DAX-Streitigkeiten bis hin zu ethisch-politischen Spannungsfeldern.

Die Gewinner des Abends – Latham & Watkins als Kanzlei des Jahres

Latham & Watkins setzte sich mit drei Hauptauszeichnungen durch: “Kanzlei des Jahres”, “Dispute Resolution” und “Regulierung”. Die Jury begründete den Sieg mit einer Kombination aus finanziellen Kennzahlen und strategischen Personalentscheidungen. Das Umsatz-pro-Berufsträger-Ergebnis (UBT) lag im Geschäftsjahr 2025/2026 bei rund 1,6 Millionen Euro – ein Rekord für die Sozietät.

Personelle Weichenstellung bei Latham & Watkins

  • Ein vierköpfiges Private-Equity-Team wechselte von Freshfields zu Latham, darunter die langjährigen Partner Markus Paul und Wessel Heukamp.
  • Der Wechsel wurde als Signal für einen Generations- und Führungswechsel im deutschen Transaktionsgeschäft interpretiert.
  • Die Expansion im Transaktions- und Dispute-Bereich stärkte die Position im regulierten Finanzmarkt.

Diese personellen Verstärkungen ergänzten die starke Nachfrage in den Bereichen Dispute Resolution und finanzmarktrechtlicher Regulierung und trugen wesentlich zum Rekord-UBT bei.

Kontroverse um Willkie Farr & Gallagher: “Trump vs. Big Law”

Willkie Farr & Gallagher wurde trotz kritischer Vorberichte der JUVE-Redaktion erneut für die Kategorie “Kanzlei des Jahres” nominiert. Im Frühjahr 2025 hatte die US-Anwaltsbranche erhebliche Kritik erfahren, weil mehrere Großkanzleien – darunter Willkie – mit der US-Administration Vereinbarungen getroffen hatten, um drohende Executive Orders und Sanktionen zu vermeiden. Die Kanzlei stimmte Einschnitte bei Diversity, Equity und Inclusion-Programmen (DEI) sowie Sonderleistungen für gemeinnützige Zwecke zu.

  • Mehr als 1.000 Associates unterschrieben im Jahr 2025 einen offenen Brief, der die Regierungspresseur und die ethischen Bedenken gegenüber den Kanzlei-Agreements kritisierte.
  • Die Nominierung von Willkie wurde als potenzieller Glaubwürdigkeitskonflikt zwischen redaktioneller Berichterstattung und Preisverleihung diskutiert.

Bayer’s Inhouse-Team des Jahres – Roundup-Strategie und personelle Zäsur

Das Inhouse-Team von Bayer wurde zur Auszeichnung “Inhouse-Team des Jahres” gekrönt. Die Jury hob die strategische Neuordnung der US-Roundup-Verfahren hervor, die durch einen strukturierten Sammelvergleich und die Einbindung einer Leitentscheidung des US Supreme Courts geprägt war. Ergänzt wurde der Erfolg durch einen milliardenschweren Schiedsgerichtssieg gegen BASF.

Erfolgreiche Massenverfahren und Schiedssiege

  • Das Team um Dr. Thomas Laubert, Bill Dodero, Dr. Max Thümmel und Dr. Stephan Semrau verhandelte im Frühjahr einen umfangreichen Vergleich mit Klägervertretern.
  • Der Schiedsgerichtssieg gegen BASF wurde als zusätzlicher Meilenstein gewertet.
  • Im Zuge der Preisverleihung wurde Dr. Max Thümmel zum neuen General Counsel befördert und übernahm die Rechtsleitung von Dr. Thomas Laubert.

Die Auszeichnung spiegelte nicht nur die prozessuale Leistung, sondern auch die personelle Konsequenz einer strategischen Neuausrichtung wider.

Statistische Highlights der JUVE Gala 2026

  • Gäste: ca. 1 000 Personen aus Kanzleien und Unternehmen.
  • Vergebene JUVE Awards: 18 Auszeichnungen in diversen Kategorien.
  • Eingesammelte Spendensumme für gemeinnützige Zwecke: 203 878 Euro.
    • EinDollarBrille e.V.: 105 878 Euro
    • HateAid: 98 000 Euro
  • Umfang des begleitenden JUVE Handbuchs Wirtschaftskanzleien 2026/2027: 686 Seiten.

Kritische Stimmen und Gegenmaßnahmen

  • Glaubwürdigkeitskonflikt: Die erneute Nominierung von Willkie trotz kritischer redaktioneller Vorberichte wirft die Frage auf, ob Markt- und Transaktionsstärke ethische Bedenken überlagern.
  • Glyphosat-Vergleiche: Auch wenn Bayer den Sammelvergleich als Meilenstein erhielt, bestehen Restrisiken bei Opt-outs von Klägern und künftigen Krebsfällen in den USA.

Fazit

Die JUVE Awards 2026 verdeutlichten die sich wandelnde Dynamik des deutschen Wirtschaftsjuristen-Marktes. Latham & Watkins demonstrierte, wie gezielte personelle Aufstockung und starkes Umsatz-Pro-Berufsträger-Management zu einer Spitzenposition führen können. Gleichzeitig brachte die Kontroverse um Willkie Farr die ethisch-politischen Spannungsfelder in den Fokus, während Bayer mit einer umfassenden Prozessstrategie und einer personalen Führungswechsel das Inhouse-Segment neu definierte. Die statistischen Kennzahlen – von der Gästezahl bis zu den Spendensummen – untermauerten die anhaltende Relevanz der JUVE Awards als Plattform für Anerkennung, Diskurs und gesellschaftliches Engagement.

Quellen