karrierewege und einblicke einer partnerin in einer grosskanzlei ip it

Karrierewege und Einblicke einer Partnerin in einer Großkanzlei: IP, IT, Datenschutz und Commercial Law

Dr. Katharina Landes, Partnerin bei der internationalen Großkanzlei Görg in Köln, gibt in ihrem Interview für die Legal Tribune Online einen seltenen Einblick in den Alltag einer Anwältin, die sich auf Intellectual Property, IT-Recht, Datenschutz und Commercial Law spezialisiert hat. Ihre Erfahrungen zeigen nicht nur, welche beruflichen Perspektiven Juristinnen und Juristen heute haben, sondern beleuchten auch strukturelle Themen wie die niedrige Quote von Equity-Partnerinnen, die Komplexität europäischer Gesetzgebung und den unternehmerischen Freiraum, den der Anwaltsberuf bietet. Für Studierende, Berufseinsteiger und alle, die sich für juristische Karrierewege interessieren, liefert der Beitrag wertvolle Orientierungspunkte.

Persönlicher Werdegang und Arbeitsalltag von Dr. Katharina Landes

Landes studierte Jura in Bonn, absolvierte das Referendariat und startete ihre berufliche Laufbahn bei Görg. Heute berät sie Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Medien, Healthcare und Konsumgüter – von Start-Ups bis zu Venture-Capital-Investoren. Ihr typischer Freitag illustriert die Kombination aus Flexibilität und hoher Verantwortung:

  • Früher Start um 7:00 Uhr für einen wöchentlichen Sportkurs, danach Home-Office bis etwa 9:00 Uhr.
  • Arbeiten an Mandanten-Deliverables, um die wöchentliche Frist einzuhalten.
  • Teilnahme an der monatlichen Kölner Partnerrunde am späten Nachmittag im Büro.
  • Bearbeitung komplexer Fragen, z. B. die rechtssichere Einbindung des neuen EU Data Act in AGBs.

Landes betont, dass sie die unternehmerische Freiheit des Anwaltsberufs schätzt: „Kaum ein juristischer Beruf bietet so unmittelbar die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen und Ideen umzusetzen.“ Gleichzeitig empfindet sie die Ungewissheit, dass nicht jede Mandatsfrage mit einem klaren Ja oder Nein beantwortet werden kann, als Herausforderung.

Frauenquote in Equity-Partnerschaften großer Kanzleien

Die geringe Quote von Frauen in Equity-Partnerpositionen ist ein zentrales Thema. Landes sieht die Ursache vor allem in der fehlenden Teilzeit-Kompatibilität des Anwaltsberufs, insbesondere in Großkanzleien, die ein hohes Maß an Flexibilität und Verfügbarkeit verlangen. Ohne geeignete Teilzeit-Modelle bleiben viele talentierte Juristinnen von einer Aufstiegsperspektive ausgeschlossen.

Was muss sich ändern, damit der Anteil der Equity-Partnerinnen steigt?

  • Entwicklung von Teilzeit-Kompatibilität in der Mandatsbetreuung durch klare Arbeitsaufteilung innerhalb von Teams.
  • Implementierung flexibler Arbeitszeitmodelle, die es ermöglichen, Führungsaufgaben mit Teilzeit zu kombinieren.
  • Schaffung transparenter Beförderungswege, die Teilzeit-Leistungen angemessen berücksichtigen.
  • Förderung einer Kanzleikultur, die Teilzeit als gleichwertige Arbeitsform anerkennt.

Statistische Übersicht der Juristenberufe in Deutschland

Laut Mikrozensus 2023 gibt es in Deutschland 421.000 Erwerbstätige mit einem Jura-Abschluss. Nur ein Drittel (33,3 % bzw. 140.000 Personen) arbeitet als Anwalt oder Notar, während 31,4 % (132.000 Personen) im öffentlichen Dienst tätig sind – etwa Richter und Staatsanwälte. Damit entfällt etwa 60 % der Juristinnen und Juristen auf rein juristische Rollen, der Rest arbeitet in nicht-juristischen Bereichen, was die Vielseitigkeit des Berufs unterstreicht.

Aktuelle Jobmarkttrends und offene Stellen

Der juristische Arbeitsmarkt bleibt dynamisch. Im Februar 2026 wurden 179 Stellen für Juristen ausgeschrieben, darunter 29-32 Volljurist-Positionen, vor allem in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Diese Zahlen belegen, dass sowohl Kanzleien als auch Unternehmen und der öffentliche Dienst weiterhin intensiv nach qualifizierten Juristinnen und Juristen suchen – sogar ohne ein zweites Staatsexamen.

Gehaltsperspektiven im juristischen Beruf

Die Verdienstmöglichkeiten spiegeln den hohen Qualifikationsbedarf wider. Rechtswissenschaftler verdienen im Durchschnitt über 70.000 EUR jährlich, während Staatsanwälte durchschnittlich über 80.000 EUR erhalten. In Kanzleien und Unternehmen variieren die Einstiegsgehälter je nach Größe der Kanzlei und Spezialisierung, wobei spezialisierte Fachgebiete wie IP, IT-Recht und Datenschutz besonders attraktive Vergütungen ermöglichen.

EU-Normen versus BGB – Qualitätsunterschiede in der Gesetzgebung

Landes kritisiert die europäische Gesetzgebung als „oft sehr unübersichtlich und unpräzise formuliert“ im Vergleich zum deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Dieser Unterschied erschwert die tägliche Praxis, insbesondere wenn Mandanten die Einbindung von EU-Rechtsakten wie dem Data Act in Verträge verlangen. Die Aussage verdeutlicht, dass eine klarere EU-Gesetzgebung die Arbeit von Anwältinnen und Anwälten erleichtern könnte.

Unternehmerischer Freiraum im Anwaltsberuf

Als Partnerin hat Landes die Möglichkeit, eigene unternehmerische Entscheidungen zu treffen – von der Mandatsakquise bis zur Entwicklung neuer Service-Modelle. Dieser Freiraum ist ein wesentlicher Anreiz, den der Beruf bietet, und wird durch die statistischen Daten zu Gehältern und offenen Stellen weiter unterstützt.

Fazit

Dr. Katharina Landes vermittelt einen facettenreichen Blick auf die juristische Laufbahn: Von persönlichen Alltagsroutinen über die Herausforderungen der Gleichstellung bis hin zu statistisch belegten Berufsaussichten. Die Zahlen zeigen, dass Juristinnen und Juristen in Deutschland zahlreiche Karriereoptionen haben – nicht nur in klassischen Anwaltsrollen, sondern auch im öffentlichen Dienst, in Unternehmen und in spezialisierten Nischen. Gleichzeitig verdeutlichen die Daten die Notwendigkeit, Teilzeit-Modelle zu stärken und EU-Gesetze klarer zu formulieren, um die Quote von Equity-Partnerinnen zu erhöhen und den Beruf zukunftsfähig zu gestalten.

Quellen