Die Wirtschaftskanzlei Poellath hat eine mehrjährige strategische Partnerschaft mit der Bucerius Law School verkündet. Im Fokus steht der Aufbau von Zukunftskompetenzen für die Rechtspraxis, insbesondere im Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI). Die Zusammenarbeit soll über den Bucerius Legal Innovation Hub laufen und die Entwicklung eines neuen Lehrmoduls mit Schwerpunkt KI in der Rechtspraxis unterstützen. Ziel ist es, Jurastudierende gezielt auf die veränderten Anforderungen des Rechtsmarkts vorzubereiten, die durch den rasanten Vormarsch generativer KI entstehen.
Warum KI in der juristischen Ausbildung unverzichtbar wird
Generative KI automatisiert zunehmend klassische Einstiegsaufgaben in Kanzleien – von Standardrecherchen über Dokumentenprüfung bis hin zu ersten Entwürfen. Dieser technologische Strukturwandel zwingt sowohl Wirtschaftskanzleien als auch Universitäten, die Ausbildung von Nachwuchsjuristen anzupassen. Ohne gezielte Schulungen riskieren Studierende, im Berufsalltag hinter den Erwartungen der Mandanten und der internen Führung zurückzubleiben.
Empirisches Ausbildungsdefizit: 88 % der Jurastudierenden fühlen sich unvorbereitet
Laut der Studie „Legal Market Economics“ des Bucerius Legal Innovation Hub geben 88 % der Jurastudierenden an, sich schlecht bis sehr schlecht auf den professionellen Umgang mit KI vorbereitet zu fühlen (Skupin et al., 2026). Die Untersuchung verdeutlicht ein massives Unsicherheitsgefühl trotz breiter Nutzung KI-gestützter Werkzeuge in Wirtschaftskanzleien. Dieses Defizit bildet den Kern der Notwendigkeit, praxisnahe KI-Lehrmodule zu etablieren.
- 88 % der Studierenden sehen ihre KI-Kompetenz als mangelhaft.
- Die Befragung wurde im Rahmen der Studie „Legal Market Economics“ durchgeführt.
- Jahr der Erhebung: 2026.
Strukturwandel im Kanzleimodell und neue Anforderungen an Associates
Durch den Einsatz generativer KI verändern sich die traditionellen Aufgabenprofile von jungen Associates. Wiederholende Basistätigkeiten entfallen, wodurch das klassische „Learning by Doing“-Modell unter Druck gerät. Kanzleien verlangen künftig frühzeitig strategische und technologische Beurteilungsfähigkeiten.
Eine Studie des Bucerius Center on the Legal Profession in Zusammenarbeit mit Simon-Kucher aus dem Jahr 2025 zeigt, dass 67 % der Kanzleileitungen und Rechtsabteilungsleiter mit erheblichen Disruptionen durch KI rechnen (Bucerius CLP/Simon-Kucher, 2025). Diese Erwartungshaltung erklärt das wirtschaftliche Kalkül von Poellath, frühzeitig in die universitäre Nachwuchsförderung zu investieren.
- 67 % der Führungskräfte erwarten tiefgreifende KI-Disruptionen.
- Studie „The AI-Conomics of Legal Services“ (2025).
- Erwartete Veränderungen: Arbeits- und Abrechnungsmodelle, Aufgabenprofile.
Das Hamburger Protokoll: KI-Edition als politischer Rahmen
Im Frühjahr 2026 formulierte Hochschulpräsident Michael Grünberger im „Hamburger Protokoll: KI-Edition“ die Forderung nach institutionellen Reformen für juristische Curricula. Kernziel ist die Verankerung von KI-Kompetenz und die Anpassung von Prüfungsformaten an die digitale Praxis. Das Protokoll wurde gemeinsam mit den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Regensburg erarbeitet und bildet den strategischen Hintergrund für die Poellath-Partnerschaft.
- Verankerung von KI-Kompetenz im Studium.
- Anpassung von Prüfungsformaten an digitale Praxis.
- Gemeinsames Ergebnispapier 2026.
Die konkrete Kooperation: Inhalte und Ziele des neuen KI-Lehrmoduls
Poellath wird sich aktiv im Bucerius Legal Innovation Hub einbringen und die Hochschule bei der Entwicklung und Umsetzung des neuen KI-Lehrmoduls unterstützen. Prof. Dr. Michael Grünberger betont, dass die Zusammenarbeit den Studierenden zusätzliche Einblicke in die anwaltliche Praxis ermögliche und sie frühzeitig mit den Anforderungen des Rechtsmarkts konfrontiere. Managing Partnerin Eva Nase ergänzt, dass die Ausbildung des juristischen Nachwuchses ein zentraler Bestandteil der Kanzleikultur bei Poellath sei und die Partnerschaft eine hervorragende Plattform biete, künftige Juristen auf den sich wandelnden Rechtsmarkt vorzubereiten.
Das Lehrmodul vermittelt technologische Urteilsfähigkeit, KI-gestützte juristische Arbeitsprozesse wie Prompting und automatisierte Dokumentenanalyse sowie das kritische Prüfen und Validieren fehleranfälliger KI-Ergebnisse.
… neuen Lehrmoduls mit Schwerpunkt KI in der Rechtspraxis unterstützen.
- Technologische Urteilsfähigkeit.
- Prompting und automatisierte Dokumentenanalyse.
- Kritisches Prüfen und Validieren von KI-Ergebnissen.
Chancen und Risiken: Blick auf die Zukunft
Die Partnerschaft adressiert zwei zentrale Gegenpole: Zum einen die Notwendigkeit, dogmatische Grundlagen des deutschen Rechtsstudiums nicht zu gefährden, zum anderen die Gefahr einer wachsenden Innovationsschere zwischen staatlichen Universitäten und privaten Elitehochschulen. Während das neue Modul praxisnahe Kompetenzen stärkt, muss sichergestellt werden, dass klassische Prüfungsformate erhalten bleiben und keine Ungleichheiten im Zugang zu KI-Bildung entstehen.
Fazit
Die strategische Partnerschaft zwischen Poellath und der Bucerius Law School ist ein klarer Schritt, den rasanten Strukturwandel im Rechtsmarkt aktiv mitzugestalten. Empirische Befunde zeigen ein gravierendes Ausbildungsdefizit von 88 % der Jurastudierenden und ein erwartetes Disruptionspotenzial von 67 % der Rechtsmarkt-Entscheider. Durch die Verknüpfung von Praxis und Forschung im Bucerius Legal Innovation Hub sowie die Umsetzung des KI-Lehrmoduls sollen zukünftige Juristen nicht nur rechtlich, sondern auch technologisch kompetent werden. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Schließung der Innovationsschere geleistet und die Basis für eine zukunftsfähige juristische Berufsausbildung gelegt.


