Die Rechtsbranche befindet sich im Wandel: Großkanzleien kämpfen mit einem akuten Fachkräftemangel, während Jurastudierende das höchste Einstiegsgehalt aller Fachrichtungen erwarten. Diese Entwicklungen verändern die Anforderungen an Nachwuchsjuristen und eröffnen gleichzeitig neue Chancen für Absolventen, die den Schritt in die Elite-Kanzlei wagen wollen.
Fachkräftemangel in deutschen Großkanzleien
Eine aktuelle Umfrage von PwC aus dem Jahr 2022 zeigt, dass 83 % der befragten Rechtsanwälte in Deutschland angeben, der Fachkräftemangel habe einen erheblichen Einfluss auf ihre Kanzlei. Diese Zahl verdeutlicht die Dringlichkeit, neue Talente zu rekrutieren, und spiegelt sich in der hohen Zahl offener Stellen wider.
Zahlen und Fakten zum Fachkräftemangel
- Prozentsatz der Kanzleien, die Fachkräftemangel berichten: 83 % (2022, PwC-Umfrage)
- Anzahl offener Stellen in Großkanzleien: 1.200 Positionen (2023)
Der hohe Anteil an Kanzleien, die Schwierigkeiten bei der Nachwuchssuche haben, stärkt die These, dass Großkanzleien händeringend nach qualifizierten Juristen suchen.
Erwartungshaltung der Jurastudierenden – das höchste Einstiegsgehalt
Eine Studie der Personalberatung Case aus dem Jahr 2023 belegt, dass Jurastudierende ein durchschnittliches erwartetes Einstiegsgehalt von 64.000 Euro ansetzen. Dieses Gehalt liegt über den Erwartungen anderer Fachrichtungen und macht Jurastudierende zu den bestverdienenden Hochschulabsolventen.
Gehaltsvergleich mit anderen Fachrichtungen
- Durchschnittliches erwartetes Einstiegsgehalt für Jurastudierende: 64.000 Euro (2023, Case-Studie)
- Höchstwert unter allen Fachrichtungen – bestätigt die Attraktivität des juristischen Berufsfeldes
Die Kombination aus hohem Gehaltsanspruch und dem akuten Fachkräftemangel schafft ein starkes Verhandlungspotenzial für Absolventen, die in einer Großkanzlei starten wollen.
Anforderungen und Gegenbewegungen – Flexibilisierung der Prädikatsexamina
Traditionell verlangen Großkanzleien zwei Prädikatsexamina sowie praktische Erfahrung. Angesichts des Fachkräftemangels könnten diese Vorgaben jedoch gelockert werden, um mehr Talente zu gewinnen.
Welche Qualifikationen werden gefordert?
- In der Regel: zwei Prädikatsexamina
- Praktische Erfahrung (z. B. Referendariat, Werkstudententätigkeit)
- Flexibilisierungspotenzial durch den akuten Bedarf an Nachwuchs
Ein möglicher Gegenpunkt ist, dass die hohen Anforderungen einige vielversprechende Talente abschrecken könnten. Dennoch zeigen die Daten, dass Kanzleien bereit sind, ihre Kriterien anzupassen, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen.
Aktuelle Stellenangebote – Überblick der „Jobs der Woche“
Im April 2026 wurden im Rahmen der Rubrik „Jobs der Woche | KW 17“ zahlreiche Positionen in führenden Großkanzleien veröffentlicht. Die Bandbreite reicht von Litigation- und Arbitration-Rollen bis hin zu spezialisierten Bereichen wie Pricing & Negotiation, Tax & Private Clients, Tech & Data sowie Intellectual Property.
Beispiele aus den aktuellen Ausschreibungen
- PwC Legal AG, Berlin – Rechtsanwalt Litigation, Arbitration (w/m/d)
- Osborne Clarke GmbH & Co. KG – Senior Manager Pricing & Negotiation (mehrere Standorte)
- Noerr – Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in Tax & Private Clients (Dresden, Berlin, München, Frankfurt)
- Freshfields, Düsseldorf – Studentische Hilfskraft Empfang
- Baker McKenzie, Frankfurt – Juristische Mitarbeiter I Banking & Finance
- Fieldfisher – Associate Tech & Data (mehrere Großstädte)
- Simmons & Simmons – Rechtsanwalt / Associate Financial Services Regulatory und Investment Funds
- Gleiss Lutz – Juristische Mitarbeiter und Referendare Intellectual Property (Frankfurt, Düsseldorf)
- PwC Legal AG, Essen – Rechtsanwalt / Volljurist Transfer Pricing
Die Vielfalt der ausgeschriebenen Positionen verdeutlicht, dass Großkanzleien nicht nur klassische Litigation-Rollen, sondern auch interdisziplinäre Felder wie Pricing, Tax, Tech & Data und Intellectual Property verstärkt besetzen wollen. Damit entsteht ein breites Spektrum an Einstiegsmöglichkeiten für Jurastudierende, die unterschiedliche Interessen und Schwerpunkte verfolgen.
Fazit
Der deutsche Rechtsmarkt befindet sich in einer Phase, in der Fachkräftemangel und hohe Gehaltsansprüche von Jurastudierenden zusammenkommen. Die Zahlen von PwC (83 % berichten von Fachkräftemangel) und die 1.200 offenen Stellen belegen den dringenden Bedarf an Nachwuchsjuristen. Gleichzeitig erwarten Absolventen mit einem durchschnittlichen Einstiegsgehalt von 64.000 Euro das höchste Gehalt unter allen Fachrichtungen. Dieser Spannungsbogen führt zu einer wachsenden Bereitschaft der Großkanzleien, traditionelle Zugangshürden zu lockern und ein breiteres Qualifikationsspektrum zu akzeptieren. Die aktuelle Stellenlandschaft, wie sie in den „Jobs der Woche“ präsentiert wird, bietet vielfältige Einstiegsmöglichkeiten – von Litigation über Tax bis hin zu Tech- und Data-Spezialisten. Für Jurastudierende bedeutet dies, dass sich die Karrierechancen in Großkanzleien deutlich erweitern, während Kanzleien gleichzeitig von frischen Talenten profitieren, um den Fachkräftemangel zu beheben.


