Der Rechtsstreit um die von Donald Trump erlassenen Executive Orders hat nicht nur nationale, sondern auch internationale Aufmerksamkeit erlangt. Vier US-Kanzleien – Jenner & Block, Perkins Coie, Susman Godfrey und Wilmer Cutler Pickering Hale & Dorr – kämpfen gegen Anordnungen, die den Zugang zu Sicherheitsfreigaben und zu Regierungsgebäuden einschränken. Das US-Justizministerium zog zunächst die Berufungen gegen die Gerichtsentscheidungen zurück, setzte den Prozess aber kurz darauf wieder fort. Parallel dazu zeigen europäische Anwaltsorganisationen solidarische Unterstützung, indem sie einen Amicus Curiae Brief einreichen. Die Auseinandersetzung wirft zentrale Fragen zur Unabhängigkeit der Anwaltschaft und zur Funktionsweise des Rechtsstaats auf – sowohl in den USA als auch global.
Hintergrund des Rechtsstreits um Trumps Executive Orders
Im Frühjahr 2025 unterzeichnete Präsident Donald Trump Executive Orders, die mehrere Wirtschaftskanzleien wegen angeblicher Verstöße gegen Antidiskriminierungsvorschriften unter Druck setzten. Die Maßnahmen sahen den Entzug von Sicherheitsfreigaben, die Einschränkung des Zugangs zu Regierungseinrichtungen und die mögliche Kündigung bestehender Verträge zwischen Kanzleien und US-Behörden vor. Vier betroffene Kanzleien entschieden sich für ein konfrontatives Vorgehen. Die Gerichte erklärten die Anordnungen für verfassungswidrig und kritisierten Trumps Vorgehen scharf.
Nach einer ersten Phase, in der das US-Justizministerium die Berufungen zurückzog, kam es zu einer Kehrtwende. Die Verfahren wurden miteinander verbunden, und für den 14. Mai 2026 ist eine mündliche Verhandlung vor dem Berufungsgericht in Washington D.C. angesetzt.
Internationale Unterstützung durch europäische Anwaltsorganisationen
Die Kontroverse hat weit über die USA hinaus Resonanz gefunden. Mehr als zehn europäische Anwaltskammern, darunter die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) und der Deutsche Anwaltverein (DAV), haben ihre Solidarität erklärt. Sie reichten gemeinsam einen Amicus Curiae Brief ein, um dem Gericht die globale Bedeutung einer unabhängigen Anwaltschaft zu verdeutlichen.
- Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK)
- Deutscher Anwaltverein (DAV)
- Weitere neun europäische Anwaltsorganisationen (Gesamtzahl 10+)
Der Brief wurde nach Angaben von LTO am 2. April 2026 übermittelt und von der US-Kanzlei Arnold & Porter mitgestaltet.
Der Amicus Curiae Brief im Detail
Ein Amicus Curiae Brief („Freunde des Gerichts“) ermöglicht Dritten, die nicht unmittelbar am Verfahren beteiligt sind, dem Gericht zusätzliche rechtliche Perspektiven zu liefern. In diesem Fall betonen die Unterzeichner die elementare Bedeutung einer freien, unabhängigen anwaltlichen Berufsausübung für die Garantie der Rechtsstaatlichkeit und den Zugang zum Recht. Historische Vergleiche, etwa mit dem Zusammenbruch der unabhängigen Anwaltschaft im Nationalsozialismus, werden herangezogen, um die Risiken autoritärer Eingriffe zu verdeutlichen.
Die nachfolgenden Absätze stammen aus dem bereitgestellten Entwurf und sollen die Argumentation des Briefes ergänzen:
Die Rolle der Anwaltschaft in demokratiefreundlichen Gesellschaften ist von fundamentaler Bedeutung. Der Amicus Curiae Brief, eingereicht von zahlreichen europäischen Anwaltsorganisationen, hebt die elementare Bedeutung der freien, unabhängigen anwaltlichen Berufsausübung hervor. Historisch betrachtet hat der Verlust dieser Unabhängigkeit in autoritären Regimen zu gravierenden Rechtsmissbräuchen geführt, wie etwa während des Nationalsozialismus in Deutschland.
Die Zahl von über zehn unterstützenden Anwaltsorganisationen demonstriert eine starke internationale Solidarität und unterstreicht, dass die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und der Zugang zum Recht nicht nur nationale, sondern globale Herausforderungen darstellen.
Die Klage hat das Potenzial, nicht nur die rechtliche Landschaft in den USA erheblich zu beeinflussen, sondern auch als Modell für ähnliche Auseinandersetzungen weltweit zu fungieren. Wenn die Gerichte den Anordnungen von Trump abschlägig gegenüberstehen, könnte dies das Vertrauen in ein faires und transparentes Justizsystem stärken.
Globale Dimension und pro-bono Engagement
Die Unterstützung reicht über symbolische Erklärungen hinaus. Im Zuge der Auseinandersetzung haben betroffene Kanzleien ein pro-bono Rechtsberatungsvolumen von fast einer Milliarde US-Dollar zugesagt (Stand 2025). Dieses Engagement soll betroffenen Mandanten, insbesondere solchen, die von den Executive Orders betroffen sind, rechtlichen Beistand sichern.
- Pro-bono Volumen: 1.000.000.000 USD
- Jahr der Angabe: 2025
- Quelle: American Bar Association, „Pro-bono Work by Law Firms: A Comprehensive Overview“
Die Kombination aus juristischer Verteidigung, internationaler Solidarität und massiver pro-bono Unterstützung verdeutlicht, wie vernetzt die Anwaltschaft heute agiert und welche Ressourcen sie mobilisieren kann, um Rechtsstaatlichkeit zu schützen.
Mögliche Risiken für die US-Rechtslage
Ein endgültiges Urteil könnte weitreichende Konsequenzen haben. Kritiker warnen, dass ein negativer Ausgang die Autonomie von Anwaltskanzleien und ihre Rolle im Rechtsstaat gefährden könnte. Insbesondere die Möglichkeit, dass staatliche Eingriffe in die Berufsausübung von Anwälten als legitimes Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele akzeptiert werden, stellt ein erhebliches Risiko dar.
- Gefahr der Einschränkung der Anwaltsautonomie
- Mögliche Präzedenzfälle für zukünftige Eingriffe in die unabhängige Rechtsberatung
- Auswirkungen auf den internationalen Ruf des US-Justizsystems
Die internationale Gemeinschaft beobachtet den Fall daher nicht nur als US-inneres Rechtsproblem, sondern als Indikator für die globale Stabilität von Rechtsstaatlichkeit.
Fazit
Der Rechtsstreit um Trumps Executive Orders verdeutlicht, wie eng die Unabhängigkeit der Anwaltschaft mit dem Funktionieren eines Rechtsstaats verknüpft ist. Die Rücknahme der Berufungen durch das US-Justizministerium, die erneute Einreichung eines Amicus Curiae Briefs durch mehr als zehn europäische Anwaltsorganisationen und das beachtliche pro-bono Engagement von US-Kanzleien zeigen, dass die Verteidigung rechtsstaatlicher Prinzipien ein transnationales Unterfangen ist. Sollte das Berufungsgericht im Mai 2026 zugunsten der betroffenen Kanzleien entscheiden, würde dies nicht nur die US-Rechtslandschaft nachhaltig stärken, sondern auch ein starkes Signal an autoritäre Regime senden, dass die unabhängige Anwaltschaft ein unverzichtbarer Pfeiler demokratischer Gesellschaften bleibt. Umgekehrt würde ein ungünstiges Urteil die Gefahr bergen, dass staatliche Machtbefugnisse weiter ausgedehnt werden und die Anwaltsautonomie untergraben wird – ein Szenario, das sowohl nationale als auch internationale Rechtsordnungen destabilisieren könnte.


